Jean Gaston Du Bousquet (* 1839; † 1910) arbeitete als Konstrukteur in der Firma «Ateliers de Fives» in Lille (Fives-Lille) und unterrichtete seit 1872 am «l'Institut industriel du Nord» (École centrale de Lille) angehende Ingenieure im Maschinenbau.
1890 wurde er leitender Oberingenieur im Bereich Traktion bei der «Compagnie Des Chemins De Fer Du Nord» (Nordbahn).

Jean Gaston Du Bousquet betrieb eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den beiden Ingenieuren der «Société Alsacienne de Constructions Mécaniques SACM», Alfred Georg De Glehn und Édouard Beugniot.
Für seine Leistungen wurde er 1894 an der «l'Exposition universelle» (Universalausstellung) mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Im gleichen Jahr präsidierte er die «Société des ingénieurs civils de France» (Vereinigung der zivilen Ingenieure in Frankreich).

Jean Gaston Du Bousquet konzentrierte sich nicht auf Teilbereiche. Vielmehr entwarf er komplette Lokomotivkonstruktionen. Er war ein grosser Verfechter der Verbund-Technologie. Sein Augenmerk widmete er dem Fahrwerksbau.
Seine Lokomotivkonstruktionen zeichneten sich durch eine herausragende Individualität aus und wiesen oft Konstruktionsmerkmale der Systeme Garratt, Meyer und Mallet auf.

Jean Gaston Du Bousquet's berühmtester Entwurf war eine 1905 für die französische Nordbahn entwickelte Gelenklokomotive der Achsfolge C1'+1'C (031+130). Die Lokomotive war eine konsequente Weiterentwicklung der Systeme Mallet und Meyer. Sie zeichnete sich aus durch eine hohe Zugkraft und ausgezeichnete Kurvengängigkeit, ohne dabei auf für damalige Verhältnisse hohe Fahrgeschwindigkeiten von 80 - 90 km/h verzichten zu müssen.

Auch für Einrahmenlokomotiven fand du Bousquet je nach Anwendungsbereich individuelle Lösungen:
Bei Lokomotiven mit langem festen Radstand verzichtete er bei allen Achsen auf seitliches Achsspiel und gestaltete dafür den Fahrwerksrahmen flexibel. Mit dieser Massnahme verbesserte er den Geradeauslauf im hohen Geschwindigkeitsbereich, ohne die Kurvengängigkeit des Fahrzeuges zu reduzieren. Um den durch die Rahmenspannung verursachte zusätzlich seitlichen Druck auf den Spurkranz der ersten Kuppelachse zu kompensieren, verwendete Du Bousquet entlastende Vorlaufdrehgestelle.
Bei Lokomotiven, welche im vorgesehenen Einsatzgebiet nur mit geringen Gefällsbrüchen konfrontiert wurden, verzichtete Du Bousquet auf einen Achsdruckausgleich zwischen den einzelnen Achsen. Damit trägt er der Tatsache Rechnung, dass Gleisunebenheiten mehrheitlich in Form von Absenkungen auftreten, welche ohne Achsdruckausgleich ruhiger überfahren werden können.

Jean Gaston Du Bousquets Entwürfe waren auch nach seinem Tode wegweisend. Eine heute noch ausgesprochen bekannte Lokomotive mit einem Fahrwerkkonzept nach Du Bousquet war die 1925 erstmals gebaute französische 241 - damals die grösste Dampflokomotive Europas.