Von den Langholz-Drehschemelwagen beschaffte die RhB von 1896 bis 1906 in fünf Baulosen insgesamt 20 Exemplare. Sie waren für den Betrieb auf dem Stammnetz, der Chur-Arosa - Linie und der Bernina vorgesehen. 1907 bis 1913 wurden sechs weitere Fahrzeuge auf der Linie Bellinzona - Mesocco in Dienst gestellt. Letztere rüstete man aber statt mit Vakuum- mit Druckluftbremsen aus, wie dies bei der RhB-Linie im Tessin üblich ist.
Beim Befördern "überlanger" Ladungen werden die
Langholzwagen nicht über die normale Zug- und Stossvorrichtung miteinander
gekuppelt, da sich der Abstand zwischen beiden Drehschemeln in
Abhängigkeit der Ladungslänge variabel gestaltet: Dies hat zur Folge,
dass Zug- und Bremskräfte durch das Ladegut aufgenommen werden
müssen.
Die Bremsleitung wurde jeweils mit Hilfe von einem an der Ladung
aufgehängten Rohr verlängert. Da das Wagenpaar in der
verlängerten Konstelation von Anfang an nur als Schlussläufer
verkehren durfte, wurde auf die doppelte Führung der verlängerten
Vakuumbremsleitung verzichtet. (Mehr zu diesem Thema siehe unter
RhB Betriebsvorschrift vom 1. Juni 1944, §4.)
Es konnte bis heute noch nicht mit absoluter Sicherheit festgestellt
werden, ob alle Drehschemelwagen bereits ab Werk mit einer Lastumschaltung
ausgerüstet waren, um den Bremsdruck der Bremssohlen an den Radbandagen in
Abhängigkeit des Ladegewichtes anzupassen. Einerseits existieren keine
älteren Photos, auf denen die mechanischen Einrichtungen einer
Lastumschaltung erkennbar wären. Andererseits stammen die restlichen
vorhandenen technischen Zeichnungen nicht aus der Bauzeit und umfassen somit
alle Änderungen, welche in den vergangenen Betriebsjahren an den Wagen
vorgenommen wurden.
Tatsächlich konnte aber mit der Neuberechnung der Bremseigenschaften den
Wagen auch mit der Lastumschaltmechanik ein starkes Überbremsen in
unbeladenem Zustand nachgewiesen werden. D.h. der Bremssohlendruck konnte bei
einer geringen Achslast von nur 1.7 t nicht genug reduziert werden, um ein
Blockieren der Räder bei stärkerem Einbremsen des Zuges zu
verhindern.
Als diese Fahrzeuge in den Sechzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts aus betrieblichen und sicherheitstechnischen Gründen in ihrem angestammten Eisatzbereich durch Rungenwagen ersetzt wurden, kamen sie - künstlich beschwert mit grossen Betonplatten - lediglich noch als Schutzwagen oder beim Bahndienst zum Einsatz. Die damals bei allen Wagen vorhandene Lastumschaltung blieb fortan unbenutzt.
Abgesehen vom historischen Wagenpaar WN 9851 (N 8013 und N 8020) sind auf dem Stammnetz der Rhätischen Bahn noch zwei weitere Langholzwagen im Einsatz - wenn auch in abgeänderter, zweckentfremdeter Form.
Für Gleisinstantstellungsarbeiten transportiert der Bahndienst auf
Flachwagen neue Schienenprofile an den Bestimmungsort, wo sie über die
Front der Fahrzeuge in das Gleisbett abgeladen werden. Um das Abladen zu
erleichtern und um die Transportwagen beim Herunterziehen der Stahlelemente
nicht zu beschädigen, wird die Ladung über eine auf einem ehemaligen
Langholzwagen fest montierten Rutsche geleitet.
Seit 1976 erfüllt der erste je für die Rhätische Bahn gebaute
Langholzwagen, der N 8001 als X 9088 diese Aufgabe. Zwischen seinen doch recht
seltenen Einsätzen ist er im Bahnhof von Bever stationiert.
Im Bahnhof Untervaz werden auf Dreischienengeleisen oft normalspurige Fahrzeuge mit den Schmalspurrangierloks der RhB verschoben. Um die Fahrzeuge mit den unterschiedlichen Kupplungsvorrichtungen verbinden zu können, bedarf es einem "Adapter", welcher über beide Einrichtungen verfügt. Diese Funktion übernimmt seit 1996 ein umgebauter Langholzwagen mit der Betriebsnummer X 9397 (ex. N 8019).
Die Rungen wurden durch einen Stahlrahmen mit zwei Normalspurbufferbohlen
ersetzt. Der zwischen den Stahlelementen entstandene Hohlraum wurde zur
Beschwerung des Fahrzeuges mit Beton gefüllt. Dank dieser Massnahme stieg
das Fahrzeuggewicht von 3.74 t auf 9 t an, was der Entgleisungssicherheit und
dem Ansprechverhalten auf den elektrotechnischen Gleisbesetztmeldeanlagen
zugute kommt.
Der X 9397 ist der einzige ehemalige Langholzwagen der RhB, welcher - wenn auch
ausschliesslich im Rangierdienst - heute noch in regelmässigem,
täglichen Einsatz steht.
Bis vor Kurzem zählten einige Langholzwagen noch zum Fahrzeugbestand der Linie Bellinzona-Mesocco. Diese druckluftgebremsten Fahrzeuge wurden aber bis im Jahre 2002 ausnahmslos ausrangiert, weshalb an dieser Stelle nicht mehr auf sie eingegangen wird. Ob und wie lange sich die kleinen Wägelchen im Tessin noch den Photographen stellen und zu welchem Zeitpunkt sie abgebrochen werden, ist dem Autor nicht bekannt.
Die Langholzwagen der RhB wurden während Ihrer Einsatzdauer mehrere Male umnumeriert. Folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Inbetriebsetzungen und die Betriebsnummern in Abhängigkeit der entsprechenden Epochen:
Gemeinsame technische Daten aller Langholzwagen der RhB:
|
Hersteller |
Betr.-Nr. |
Betr.-Nr. |
Betr.-Nr. |
UIC-Bez. |
Gewicht |
Lade- |
Bremse |
vmax. |
SIG |
N 401 - |
N 1501 - |
N 8001 - |
|
3.4 t |
10 t |
autom. Vakuum- bremse, Handhebel- bremse |
|
|
N 403 - |
N 1503 - |
N 8003 - |
3.4 t |
||||
VSB |
N 1505 - |
N 8005 - |
LcK 7805 - |
3.6 t |
||||
MAN |
N 1509 - |
N 8009 - |
3.65 t |
|||||
Staudinger |
N 1513 - |
N 8013 - |
LcK 7813 - |
|
|
|
Hersteller |
Betr.-Nr. BM |
Betr.-Nr. RhB |
UIC-Bez. |
Gewicht |
Lade- |
Bremse |
vmax. |
Ringhoffer |
N 1201 - |
N 8021 - |
|
3.6 t |
10 t |
autom. Druckluftbremse, |
|
Ringhoffer |
N 1203 - |
N 8023 - |
LcK 7823 - |
||||
Ringhoffer |
N 1205 - |
N 8025 - |
LcK 7825 - |
|
|
Technische Zeichnungen sind von den Langholzwagen nur noch wenige vorhanden. Leider handelt es sich dabei auch nicht mehr um Originalzeichnungen oder -blaupausen, sondern lediglich um qualitativ schlechte Kopien auf Mikrofilm, welche den letzten Betriebszustand der jeweiligen Fahrzeuge wiedergeben.